Wuppertaler Studie

Wuppertal, eigentlich bekannt für seine über 100 Jahre alte Schwebebahn, ist in den vergangenen Monaten Schauplatz der Klimaforschung geworden. Denn in der Universitätsstadt sitzt das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, das 1991 gegründet wurde und sich selbst als treibenden Think Tank für eine Transformation zu einer nachhaltigeren Gesellschaft versteht.

Im Auftrag der Klimabewegung Fridays for Future (FFF) hat das Wuppertal Institut von Juli bis Oktober 2020 eine Studie erarbeitet, die darlegen soll, ob und wie das Versprechen des Pariser Klimaabkommens von 2015 zumindest innerhalb Deutschlands eingehalten werden könne. Das Einhalten des Pariser Klimaabkommens würde für Deutschland Klimaneutralität bis 2035 bedeuten.

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler*innen kommen zu dem Schluss, dass Deutschland seinen Teil des in Paris gesteckten Zieles, die Erderwärmung auf 1.5°C zu begrenzen, einhalten kann – das heißt Deutschland ist in der Lage seinen CO2-Ausstoß so reduzieren, dass es sein zur Verfügung stehendes CO2-Budget nicht überreizen wird. Dafür ist jedoch eine Transformation in verschiedenen Bereichen nötig. Ferner sind sie sich einig, dass bereits alle nötigen technologischen Lösungen vorhanden sind, um die Ziele erreichen zu können. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der Maßnahmen.

Der Weg zu einer 1.5°C Politik

Energie (31%)

  • Zubau von 35 Gigawatt erneuerbarer Energien jährlich (d.h. viermal so viel wie aktuell vorhanden) – davon 10 Gigawatt Onshore Windkraftanlagen
  • Verwendung und Herstellung synthetischer Energieträger (v.a. Wasserstofftechnologie) zur Stabilisierung des Stromnetzes (bis 2035 Aufbau von Elektrolyseuren mit insgesamt 70 Gigawatt)

Industrie (23%)

  • klimaneutrale Industrieanlagen:
    • bei Neubau verpflichtend
    • bei bestehenden Industrieanlagen, deren Lebensdauer 2035 überschreitet, verpflichtender Umbau oder Abbau
  • Empfehlung einer CO2-Steuer von 180€/t CO2-Ausstoß (diese Steuereinnahmen sollten zur Unterstützung beim Umbau genutzt werden)
  • ein Höchstmaß an Kreislaufwirtschaft ist notwendig

Mobilität (20%)

  • Verkehrsaufkommen reduzieren (betriff hauptsächlich PKW und LKW)
  • Verlagerung auf energieeffizientere Fortbewegungsmittel
  • Verwendung von klimafreundlicheren Antrieben

Gebäude (15%)

  • klimaneutrale Beheizung, z.B. durch elektrische Wärmepumpen:
    • bei Neubau verpflichtend

Hier ein Überblick der dazu erforderlichen Maßnahmen, ausführlich dargestellt im Video von FFF:

Wer will – der kann!

Wir sind uns einig: Wer will, der kann! Die unabhängige, wissenschaftliche Studie zeigt, die Forderungen von FFF sind nicht utopisch oder realitätsfern – mit den richtigen Anstrengungen können sie umgesetzt werden. Sprich: die Bundesregierung könnte die Ziele von Paris zumindest deutschlandweit umsetzen. Wenn dies nicht geschieht, dann liegt das also nicht an fehlenden Lösungen oder fehlender Innovation, vielmehr liegt es am fehlenden Willen der derzeitigen Bundesregierung.

Die Gründe hierfür können natürlich vielfältig sein, beispielsweise wird oft das Zurückfallen im internationalen Wettbewerb genannt oder der Einbruch der Wirtschaft. Doch die Wissenschaftler*innen zeigen in der Studie auch, dass die heutige Wirtschaft zu großen Teilen ein Auslaufmodell ist: Wir müssen den Wandel vorantreiben, gerade um international wettbewerbsfähig bleiben zu können und um einen Wirtschaftseinbruch längerfristig zu verhindern.

Gleichzeitig muss man sich damit im Zusammenhang fragen, ob dieses System – der Fokus auf Wirtschaft und Wettbewerb – überhaupt ein tragbares Modell ist. Kann dieses System überhaupt gerecht werden, in dem die Industrie- und Schwellenländer maßgeblich für den Klimanotstand verantwortlich sind und hauptsächlich die Entwicklungsländer darunter leiden? Und kann dieses System in Einklang gebracht werden, dass wir damit Aufhören mehr Ressourcen zu verbrauchen, als uns zustehen?

Wir sind uns überzeugt – eine klima- und ressourcengerechte Zukunft ist notwendig und möglich und dafür werden wir uns auch weiter einbringen!

Quellen

Hohe Kosten durch unterlassenen Umweltschutz

https://s3-us-west-2.amazonaws.com/secure.notion-static.com/6dd47f19-63b3-403e-86b8-b9647c34beab/FFF-Bericht_Ambition2035_Endbericht_final_20201011-v.3.pdf

https://www.wupperinst.org/das-institut