16. Mai 2026

IDAHOBITA* 2026: Der Kampf ist noch nicht vorbei



Grüne Jugend Pridefahne auf der Wählt-Liebe-Demo vor der Landtagswahl 2026

Am 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBITA*). Der Tag erinnert daran, dass am 17.05.1990 die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Krankheitsregister strich. Seit 1990 hat die queere Bewegung wichtige Erfolge erkämpft: 1994 wurde der § 175 StGB gestrichen, der sexuelle Handlungen zwischen Männern* unter Strafe stellte. 2017 kam die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und 2024 das Selbstbestimmungsgesetz für Trans*-Menschen. Doch trotzdem ist noch viel zu tun.

Die BKA-Statistik aus dem letzten Jahr zeigt deutlich: Trotz sinkender Gesamtkriminalität steigen die Zahlen queerfeindlicher Straftaten immer weiter an. Mit über 2000 Fällen von queerfeindlicher Hasskriminalität ist auch 2025 wieder ein Rekordjahr. Dabei ist die Dunkelziffer vermutlich noch wesentlich höher, da die Betroffenen aus Angst vor erneuter Diskriminierung bei der Polizei oft von einer Anzeige absehen. Das verdeutlicht, dass queeres Leben noch längst keine Normalität ist, sondern in Gefahr.

Wenn queere Menschen Hass und Gewalt ausgesetzt sind, ist das nicht nur ein Problem für die direkt Betroffenen, sondern für die Demokratie an sich. Queere Rechte sind Menschenrechte. Demokratie bedeutet, dass alle Menschen sich frei entfalten und ohne Angst sichtbar sein können. Deshalb gehört auch der Schutz queerer Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes.

Doch der IDAHOBITA* ist dieses Jahr in Karlsruhe auch ein Grund zur Freude. Das queere Jugendzentrum LA ViE feiert zehnjähriges Jubiläum und zeigt damit, wie unentbehrlich und bereichernd queere Jugendarbeit ist. Kommunal geförderte Schutzräume für junge queere Menschen fördern Vernetzung, Bestärkung in der eigenen Identität und nicht zuletzt die Sichtbarkeit der queeren Community. Dass das bis jetzt nur ein Privileg der großen Städte ist, muss sich dringend ändern. Wir fordern mehr Raum für queeres Leben besonders in ländlichen Regionen. Dazu gehören nicht nur Jugendzentren, sondern auch Beratungsstellen für jedes Alter, Repräsentanz in Politik und Wirtschaft und eine bessere Gesundheitsversorgung, die auf queere Menschen angepasst ist. Schluss mit Symbolpolitik, eine Regenbogenfahne reicht nicht aus!

Wir begrüßen, dass die neue Landesregierung sich im Koalitionsvertrag mit dem Aktionsplan „Für Akzeptanz & Gleiche Rechte“ für Sicherheit, Selbstbestimmung und Sichtbarkeit von queeren Menschen einsetzen will. Ein solches Bekenntnis ist mit Blick auf die aktuelle Bundesregierung leider nicht mehr selbstverständlich. Insbesondere wichtig ist auch die verlässliche Förderung queeren Strukturen. Die Community braucht langfristige finanzielle Zusagen, mehr Personal und Raum für Beratungsstellen und weitreichende Repräsentanz.

Darüber hinaus muss sich die neue Landesregierung für queerfreundliche Schulen einsetzen. Sie muss für eine flächendeckende Gesundheitsversorgung für Trans*-Personen sorgen. Und sie muss Beratungsstellen für queere Geflüchtete unterstützen, auch wenn vom Bund hier die Gelder gekürzt werden.

Außerdem muss die Änderung der Meldeverordnung durch das Innenministerium zurückgenommen werden, die Änderungen von Geschlechtseinträgen und Namen mit dem Selbstbestimmungsgesetz automatisch an die Polizei übermittelt. Sie stellt Trans*-Personen unter einen Generalverdacht, ist ein massiver Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung, also das Grundrecht selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen, und erhöht das Risiko für Diskriminierung.

Lasst uns also für queere Menschen, Vielfalt und unsere Demokratie kämpfen. Nicht nur am IDAHOBITA*, sondern weit darüber hinaus.

Veranstaltungshinweise

17.05.26 um 14 Uhr: IDAHOBITA*-Kundgebung am Marktplatz
17.05.26 um 15:30 Uhr: Jubiläumsfeier von LA ViE in der Ettlinger Straße 9
Jeden Dienstag um 19 Uhr Aktiventreffen der GJ Karlsruhe in der Redtenbacher Straße 9

Weitere Informationen/Quellen:

Lagbericht des Bundeskriminalamts zur Sicherheit queerer Menschen: https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/SicherheitLSBTIQ/SicherheitLSBTIQ_node.html

Aktionsplan „Für Akzeptanz & Gleiche Rechte“: https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/aktionsplan-fuer-akzeptanz-und-gleiche-rechte-baden-wuerttemberg-2025

Pressemitteilung des LSVD+ – Verband für queere Vielfalt zur Gewaltstatistik: https://www.lsvd.de/de/ct/2445-Queerfeindliche-Gewalt

LSVD+BW: Neue Meldeverordnung in BW – Keine automatische Weitergabe sensibler Meldedaten!: https://ba-wue.lsvd.de/2026/02/16/neue-meldeverordnung-in-bw-keine-automatische-weitergabe-sensibler-meldedaten/



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