Artgerechte Tierhaltung ist in Deutschland leider nicht die Regel. Die deutsche Massentierhaltung ist darauf ausgerichtet immer mehr Fleisch zu niedrigsten Preisen zu erzeugen. Diese Haltungsform ist mit Tierleiden, Krankheiten und hohem Antibiotikaeinsatz verbunden. In der Hühnerhaltung ist es beispielsweise erlaubt, Masthühner so dicht zu halten, dass am Ende der Mastzeit pro Quadratmeter 24 Hühner leben. Nur mit qualvollen Schnabelstutzungen wird das Tier so für die Haltungsform „zurechtgeschnitten“.

Die Grünen fordern in ihrem Bundestagswahlprogramm die Einführung eines fleischfreien Tages in öffentlichen Kantinen, um genannter Problematik entgegenzutreten und in diesem Zusammenhang darüber aufzuklären welche Folgen ein zu hoher Fleischkonsum für die eigene Gesundheit, Millionen von Schlachttieren, die Umwelt und die globale Ernährung hat.

Diese in den Medien wild diskutierte Forderung nach einem sogenannten Veggie Day, sah die Schülerunion (SU) Karlsruhe als Anlass auf dem Ludwigsplatz abgepackte Würstchen zu verteilen mit der Forderung, „sich von der Ökodikatur das Fleisch nicht verbieten zu lassen.“

Als drei DemonstrantInnen der Grünen Jugend (GJ) Karlsruhe mit einer Spontandemonstration neben dem Stand der SU gegen die Misstände in der Massentierhaltung konterte, rief der Vorsitzende der SU die Polizei. Dies war insofern überraschend, da er zuvor im Gespräch kein Problem mit der Aktion der Mitglieder der GJ sah.

„Die Grünen wollen niemanden bevormunden, sondern eine Empfehlung für den sogenannten Veggie Day aussprechen. Keine Kantine soll gegen ihren Willen gezwungen werden, teilzunehmen.“, so Zoe Mayer, Sprecherin der Grünen Jugend Karlsruhe.

Das CSU-geführte zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstützt selbst z.B. den „Veggie-Tag Hannover“. „In einem so persönlichen Bereich wie Ernährung werden wir mit Zwang wohl kaum etwas verändern. Allerdings ist es im Interesse des Gemeinwohls und jeder Einzelnen und jedem Einzelnen, über individuelle und gesellschaftliche Nachteile verschiedener Ernährungsformen aufzuklären“, ist Ferdinand Gantert, Mitglied der GJ Karlsruhe, der Meinung.

„Anstatt Fakten und Inhalt präsentierte die SU Würstchen und den Einsatz von drei Polizei Streifen“, so Zoe Mayer. „Schade, dass die CDU-Jugend die Polizei benötigt um ihren Populismus zu verbreiten – erfolglos.“ Die Karlsruher Polizei reagierte wie gewohnt besonnen und konnte die Vorwürfe der SU nicht nachvollziehen. Um die SU zu beruhigen bat sie die Mitglieder der GJ Karlsruhe jedoch einige Meter Abstand zur SU zu halten. Dem leistete die Grüne Jugend selbstverständlich folge und konnte noch mit vielen Passanten ins Gespräch kommen.