24. Februar 2024

Mehr Wohlstand für morgen



Was ist eigentlich Wohlstand und welche Faktoren sind wichtig? Diese Frage war der Ausgangspunkt eines unserer Aktiventreffen. Wie die Wordcloud zeigt, sind die Antworten sehr breit gefächert und divers, passend zum allgmeinen Verständnis: „Wohlstand ist ein positiver Zustand, der individuell unterschiedlich wahrgenommen wird. (…)“ – Quelle Wikipedia. Dementsprechend äußert sich Wohlstand in verschiedenen Domänen, wobei vier Säulen ausgemacht werden können: Gesellschaftliches, Ökologisches, Ökonomisches und Politisches. Gesichtspunkte wie Bildung und vielfältige Möglichkeiten werden der gesellschaftlichen Situation zugeordnet, wohingegen man Freiheit und Sicherheitsaspekte eher der politischen Domäne zuordnen würde. Unter der ökologischen Situation versteht man eine intakte Umwelt, saubere Luft und den Zugang zur Natur, unter de wirtschaftlichen Situation finanzielle Sicherheit, aber auch eine gerechte Einkommensverteilung.
Nun liegt es auf der Hand, dass wir (Menschen) unseren Wohlstand steigern möchte. Und es leuchtet ebenfalls ein, dass diese Aufgabe umso leichter zu bewältigen ist, desto genauer man weiß, was den Wohlstand einer Gesellschaft ausmacht.
Blicken wir dazu einmal in die Geschichte der Wohlstandsmessung, diese beginnt mit der Einführung des BIP um das Jahr 1932  im Rahmen der amerikanischen Wirtschaftskrise. Der US-Senat beauftragte den Ökonom Simon Kuznet damit, ihm ein statistisches Bild der Lage zu verschaffen. Die Ergbenisse Kuznets zeigten die verherrende Situation der amerikanischen Wirtschaft. Das Volkseinkommen war um 50 Prozent eingebrochen. Der US-Senat und insbesondere US-Präsident Roosevelt nutzte die Analyse um in der Folge seine staatlichen Investitionen – bekannt als New Deal – zu begründen. Kurze Zeit später wurde das pro Kopf BIP als Maß der Entwicklung herangezogen und setzte sich als Wohlstandsindikator durch und brachte vielen Wirtschaften eine anerkannte Größe, die unbestreitlich in vielen Bereichen mit dem Wohlstand zusammenhing und Industrienationen den Weg ins Land des Überfluss ebnete. Doch gilt diese Korrelation unbegrenzt? Haben wir bereits eine Sättigung des Pro-Kopf BIP in Bezug auf Wohlstand erreicht? Gehen mit Grenzen des Wachstums auch Grenzen des Wohlstands einher? Und wenn das BIP nicht der Wohlstandsindikator für das 21. Jahrhundert sein kann, wie wollen wir unseren Wohlstand messen?
Zunächst einmal wissen wir jetzt schon, was das BIP misst und wie es in der Vergangenheit zur Steigerung unseres Wohlstands beitragen konnte, nun wollen wir einmal unseren einen Blick darauf richten, was das BIP nicht misst. Das BIP ist immer nur eine Momentaufnahme der Wirtschaft, die Historie der erbrachten Wirtschaftsleistungen kann jedoch nicht direkt abgebildet werden. Der Bestand an vielen Dingen, wie zum Beispiel Infrastruktur, Wohnraum, öffentlichen Begegnungsstätten, uvm. wird nicht erfasst, kann jedoch stark variieren zwischen zwei Ländern die dasselbe BIP (bzw. pro Kopf BIP) haben (BSP!?!?). Neben dem formellen Sektor, gibt es mindestens 3 weitere Bereiche, die, würden sie bezahlt oder deren Bezahlung festgehalten, massiv zu unserem BIP beitragen würden: Der Schattenmarkt, ehrenamtliche Arbeit und Care-Arbeit, wie Gartenarbeit, Haushaltsarbeit, Erziehung – auch bekannt als Mutter sein. Wir müssen also feststellen, dass das BIP die Wirtschaft gar nicht genau erfassen kann, darüber hinaus kommt, dass das BIP nichts darüber aussagt, ob der erfasste Wert der Güter bzw. Dienstleistung überhaupt zum Wohlstand eines Landes beiträgt oder ob dies in dem Maß der Bezahlung geschieht. Zum Beispiel könnte man Pflegekräften einen höheren Beitrag zum Wohlstand zuschreiben als Bankangestellen, auch wenn letztere wesentlich mehr verdienen. Auch die Einkommensverteilung wird im BIP nicht berücksichtigt, obwohl für den Wohlstand einer Gesellschaft gegebenfalls ausschlaggebend ist, wie gut es der Mehrheit geht und nicht dem Durchschnitt. Ferner zeigt die Geschichte, dass das BIP meist in Folge einer Krise bzw. Katastrophe steigt, da diese zu einer erhöhten Nachfrage führen, so stiegt z.B. in Japan das BIP in Folge des Tsunamis bei Fukushima oder … (Jemand gute Beispiele mit Quellen?).
Leider ist damit noch nicht genug am BIP als Wohlstandsindikator kritisiert worden, denn bisher haben wir nur die wirtschaftliche Komponente betrachtet, doch baut Wohlstand auf vier Säulen, das heißt die gesellschaftliche, politische und ökologische Komponente wurde bei all der Kritik noch außer Acht gelassen. Doch wir können uns kurz fassen, das BIP misst all diese Faktoren nicht direkt, es können zwar durchaus Korellationen bestehen, diese müssen aber nicht zwangsläufig immer gelten und das BIP kann wachsen, während sich eine Gesellschaft zunehmend spaltet (siehe USA).  
So fasst es Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz entsprechend passend zusammen: „Was wir messen, entscheidet darüber, was wir tun“. Was sollten wir also messen? Wohlstand als mehrdimensionale Größe muss auch in den verschiedenen Domänen gemessen werden. So müssen mindestens 4 unabhängige Faktoren entstehen, die zu einem aggregierenden Indikator zusammengefasst werden können. Idealerweiße verwendet man bereits existierende Messgrößen, die man aneinander angleicht und gewichtet, um daraus eine vielsagende Größe zu berechnen. Bei der Wahl der heranzuziehenden Messgrößen gibt es verschiedene Dinge zu beachten: Verfügbarkeit, Vergleichbarkeit, … ? (gibt es hier weitere)
Wie könnte ein neuer Wohlstandsindikator also konkret aussehen? Diese Frage ist nicht neu, auch die Bundesregierung hat sich damit bereits auseinander gesetzt, so entstand z.B. der “nationale Wohlfahrtsindex”, neben diesem Indikator gibt es viele weitere wie den „Human Development Index“, das „Green GDP“ oder das „Bruttoglücksprodukt“..Den ansprechendsten Vorschlag haben wir bisher aber im sogenannten „Recoupling Dashboard“ ausmachen können, wobei hier 4 Indizee graphisch zusammengefasst werden können:
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Wir wollen nicht den Anspruch erheben einen der genannten Indikatoren zum Sieger zu küren, sondern wir wollen frischen Wind in die Debatte bringen, denn als eine Spezies die auf den Mond fliegen kann, wird es uns doch bestimmt möglich sein, den Wohlstand besser zu messen, als es das BIP tut.
Wenn dich das Thema Wohlstand genauso interessiert wie uns, dann schreib uns doch oder komm zu einem unserer Aktiventreffen. Und wenn du anderer Meinung bist, dann erst Recht, zeig uns welche Aspekte wir (bewusst oder unterbewusst) unterschlagen haben und wie es besser gehen könnte. Wir freuen uns auf deine Meinung!



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